Aktuelles und Neuigkeiten Aktuelles und Neuigkeiten
Geschrieben von Arizona am 07.02.2003, 5:42 Uhrzurück

Absurdistan im Abseits

Es ist bestimmt nicht nett, dass Amerikas Verteidigungsminister Deutschland in einem Atemzug mit Libyen und Kuba nennt, undiplomatisch, schief und ein wenig arrogant sogar. Aber es ist die Arroganz einer Weltmacht,
die vom wahlkämpfenden Bundeskanzler einer angeschlagenen Nullmacht leichtfertig herausgefordert worden ist.

Bevor in diesem Forum die üblichen Rituale von Abscheu und Empörung über die Plumpheit des kleinen Welt-Sheriffs im Weißen Haus und seines Hilfssheriffs aus dem Pentagon noch weitergehen, sollten wir bei aller verständlichen
Friedenssehnsucht, wenigstens einmal versuchen zu begreifen, warum das Verhalten der deutschen Regierung Washington so in Rage bringt wie das
keiner anderen in Europa.

Vergessen wir einmal das schlichte Erfordernis der Dankbarkeit dafür, dass uns die Amerikaner zwei Mal im letzten halben Jahrhundert "den Arsch gerettet haben".

Dankbarkeit ist keine Kategorie, wenn es um nationale Interessen geht.

Aber erinnern wir uns wenigstens daran, wie tief der Schock des 11. September die USA getroffen hat. Selbst in Deutschland hat selbst der letzte
Depp, damals wenigstens, gespürt, dass sich die Welt grundstürzend verändert hatte, dass die alten Sicherheiten unwiederbringlich verloren waren. Es kann also nicht verwundern, dass
Amerika danach seine Sicht auf die Welt, seine Rolle darin neu definiert und Freund und Feind neu sortiert.

Die Bush Administration hat ihre Konsequenz daraus gezogen:
Sie versucht, den internationalen Terror zu bekämpfen, notfalls mit Gewalt wie in Afghanistan!! Sie wird versuchen, Bedrohungen für die USA
auszuschalten, notfalls auch präventiv wie im Nahen Osten!!
Sie wird versuchen, eine neue Weltordnung zu formieren!!

Das alles zu ihren Gunsten, ohne Zweifel, in ihrem nationalen Interesse. Das mag Deutschland nicht gefallen - aber damit muss Deutschland leben.

In diesem wichtigen Moment hat sich der Herr Schröder, in der Endphase des Bundestagswahlkampfes, entschieden, der
Supermacht ungefragt sein NEIN entgegen zu schmettern, das dann, Pech kommt dazu, noch von seiner Justizministerin mit jenem unseligen Vergleich zwischen Hitler und Bush garniert wurde. Und im Vorfeld der letzten Landtagswahlen
hat dieser deutsche Kanzler seine Ablehnung ins Kompromisslose verschärft und mit seinem Außenminister auch noch versucht, gestützt auf die Chimäre einer unverbrüchlichen Achse mit
Frankreich, eine europäische und interkontinentale Front gegen Washington zu schmieden.

Er mag im Einklang mit der überwältigenden Mehrheit seiner Bürger gehandelt haben; aber er steht mittlerweile ziemlich isoliert da – und mit ihm Deutschland. Denn die anderen
Regierungschefs, von Russland bis Italien, die bei ihrer Bevölkerung auf ähnliche Stimmungslagen treffen, waren in diesem kritischen Augenblick der Geschichte vorsichtiger und schwenken, wenn auch oft zähneknirschend, auf Bushs Kurs ein. Bevor der Zorn sie übermannt, sollten die Deutschen in Rumsfelds jüngstem Bericht noch
einmal nachlesen, wer nicht darin vorkommt:
Frankreich, an das sich Schröders letzte Hoffnungen knüpften.

Herr Schröder hat sein diplomatisches Roulette gegen die Bank gespielt, alles auf Rot gesetzt, und er hat, wie vorauszusehen, verloren. Und nun
wundern Schröder und seine Koalitionäre sich, dass sie zur Kasse gebeten werden? Und nun empören sich die Deutschen, dass die Töne rau werden, die von Washington herüberschallen? Man
wird doch mal seine Meinung sagen dürfen, auch als Ami, oder?

Nein, die Nullmacht Deutschland hat die Weltmacht Amerika, die eine Antwort auf ihre tiefste Erniedrigung gesucht und gefunden hat, aufs Schärfste und Bitterste herausgefordert. Und in der internationalen Politik geht es nicht zu wie an Universitäten, wo sich trefflich und folgenlos über Völkerrecht und Moral disputieren lässt; dort geht es um Macht und Gegenmacht, um Vorteile und Nachteile, um nationale Interessen. Wer handelt, muss mit Konsequenzen rechnen; jede Tat
wird vergolten, selten im Guten, fast immer im Bösen.

Man mag das bedauern, besonders in Deutschland; ABER ES IST DIE WELT, IN DER WIR LEBEN, und nicht die Welt, die wir uns wünschen.

Bischöfe mögen sich Rigidität leisten können und Völkerrechtler Stringenz, Staatsmänner nicht. Sie müssen die Folgen ihrer Handlungen verantworten
und ihre Völker müssen sie ertragen.

Beitrag beantworten

Zurück ins Forum

Unten der Beitrag und die bisherigen Antworten. Sie befinden sich in dem Beitrag mit dem grünen Pfeil.
Die letzten 10 Beiträge im Forum Aktuelles und Neuigkeiten