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Geschrieben von marit am 06.01.2005, 15:35 Uhrzurück

...den hat aber fast jeder in Deutschland...

mag sein, aber darum ging es Schwoba ja, daß hierzulande Armsein heißt, vielleicht die letzte Woche eines Monats "nur" noch Nudeln mit Ketcup, Milch und Brot zu haben, weil man sich zu Anfang des Monats etwas übernommen hat. Oder nicht ins Kino gehen zu können, sondern statdessen eine DVD auszuleihen oder den neusten Schmöker nicht sofort im Buchladen zu kaufen, sondern warten zu müssen, bei die Stadtbibliothek ihn angeschafft hat. Das ist jedenfalls die Armut, die ich als Studentin und Doktorandin kannte. In einem Sozialhilfehaushalt findet man heute PC mit Internetanschluß, Fernseher, DVD-Player, Musikanlage. Der Wohnraum ist so bemessen, daß nicht mehr als 2 Kinder in einem Zimmer schlafen müssen und Herd, Waschmaschine, Kühlschrank ausreichend warmes Wasser etc. werden als selbstverständlich angesehen - was ja auch eine große Errungenschaft unserer Sozialsysteme ist. Aber vor so einem Hintergrund hört es sich dann in meinen Ohren schon zynisch an, die eigene Armut mit der dortigen gleichzusetzen.

Ich finde nicht, daß die Armut hierzulande vor allem ein finanzielles Problem ist, sondern eher eines der Perspektivlosigkeit. Ich habe 8 Jahre ohne Fernseher gelebt, weil ich mir einfach keinen leisten konnte als Studentin - das hat mir gar nichts ausgemacht. Ich fand es auch nicht schlimm, die letzte Woche jedes Monats nur Nudeln, Reis oder nur Milch mit Haferflocken zu essen, ich bin lange Zeit prima mit einem 8qm WG-Zimmer ausgekommen, das ist nicht das Problem. Ich wußte ja, daß es mir eines Tages BESSER gehen würde. Verzicht ist viel schmerzlicher, wenn man keine bessere Zukunft am Horizont sieht. Und da machts dann wieder keinen Unterschied, ob man nun dauerhaft 30 Euro mehr oder weniger hat. Nach einem halben Jahr hat man sich an die 30 Euro mehr gewöhnt und kommt genausoschlecht oder gut mit dem Geld aus, wie zuvor.

Deshalb finde ich, muß die Sozialhilfe nicht höher sein, als sie jetzt ist. Es müssen nur alle Anstrengungen unternommen werden, daß die Menschen aus dieser entwürdigen Alimentierung auch wieder herauskommen.
Klar, wenn man sich in der Sozialhilfe dauerhaft einrichtet, möchte man es dort auch so angenehm wie möglich haben. Nur darf eben dies in unserem Staat gar keine ernsthafte Option sein! Damit meine ich nicht, daß Gelder gekürzt werden sollen, wohl aber, daß jeder Bürger in staatlicher Alimentation in regelmäßigen Abständen nachweisen muß, daß er sich ernsthaft um Änderung der Situation bemüht (z.B. indem ernsthafte Bewerbungen und/oder Bildungsvorschritte dokumentiert werden)oder aber ehrenamtliches Engagement nachgewiesen wird. Das Hauptproblem in unserem Land, UNSERE Armut ist NICHT, daß zu wenige Menschen hier zu wenig Geld haben, sondern daß wir es zulassen, daß zu viele Menschen hierzulande regelrecht versumpfen und sich selbst aufgeben.

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